FAHRT NACH MAKENI, BESUCH BEI ZWEI KLEINEN DÖRFERN IM BUSCH (23.-25. März 2005)
Teil des intensiven und gut auf unseren Einsatz vorbereitenden "In-Country Trainings" für meine beiden Begleiter Jan und Renée und mich war eine Reise in die drittgrößte Stadt des Landes, Makeni. Geleitet wurden wir von der hiesigen VSO Country Direktorin, Theresa Mellon (aus Schottland), die mit ihren Mitarbeitern eine gute Organisation ablieferte.
Der Begriff "Stadt" sollte nicht zu ernst genommen werden: Es gibt kein fließend Wasser, die Leute sind auf Brunnen angewiesen; von Strom ganz zu schweigen. Befestigte Straßen gibt es nur wenige, und die Unterkünfte - wie übrigens auch in Freetown - sehen schier abenteuerlich aus. Oft sieht man Hütten, die nur notdürftig aus Wellblechen "zusammengetackert" sind, es gibt aber auch vereinzelt massive Steinhäuser aus der britischen Kolonialzeit, die jedoch meist völlig verrottet sind. Auch hier wird der Müll einfach auf die Straße geworfen, und wenn ein Haufen mal zu groß wird, wird er angezündet. So riecht es permanent nach Müll und brennendem Plastik, was jedoch nach sechs Wochen kaum noch auffällt...
Auch in Makeni stehen wir als Weiße immer sofort im Mittelpunkt, vor allem Kinder freuen sich wahnsinnig, wenn sie Europäer sehen und rufen immer "Opoto, opoto, yemadi", oder so ähnlich, was etwa heißt: "Weißer Mann, gib mir Essen!" Überall werden wir freundlich begrüßt. Empfangen wir mal kritische oder ängstliche Blicke, dann lachen wir die Leute offen an und bekommen postwendend ein strahlendes Grinsen zurück.
Theresa, unsere VSO-Chefin, erlaubt uns kein
Durchatmen. Einmal darf ich mit ihr zusammen in die Stadt
ziehen, wir wollen zwei Gruppen von Bürgern nach ihrem Befinden und ihren
Perspektiven im Nachkriegs-Sierra-Leone befragen.
Es geht zuerst zum Markt. Hier werden wir von dem Anführer der Marktfrauen in
ein Haus gebeten. Zum Glück haben wir einen Übersetzer dabei. Die Marktfrauen
bieten hier selbst gewebte und gefärbte Stoffe an oder handeln mit Flip-Flops.
Der Raum befindet sich in einem größeren Haus direkt am Markt; er ist zu den beiden
Innenseiten durch Lehmwände begrenzt. Wir werden mit dem Rücken zur Wand in
die hinterste Ecke auf die einzigen halbwegs tauglichen Sitzbänke gebeten, und
mit einem Mal, als sich meine Augen an das Dunkel gewöhnen, sehe ich, dass wir
von mindestens 40 Augenpaaren angestarrt werden. Theresa wirft mich sogleich in
noch kälteres Wasser und sagt: "Now, Richard, I think you might have some
questions to the audience." - Dankeschön.
Wir finden heraus, dass die Marktfrauen nur mühsam über die Runden kommen, die
meisten haben viele Kinder und wünschen sich für diese eine gute Ausbildung. Auf
die Frage, in welchen Positionen sie ihre Kinder denn am Liebsten sehen möchten,
antworten fast alle: "Arzt oder Minister!". Eine erzählt uns, dass eine ihrer
Töchter es geschafft habe, in die USA zu ziehen; für die Meisten reiche das Geld
für eine Ausbildung jedoch nicht. Mit "micro credits", die von einer der
zahlreichen Hilfsorganisationen organisiert werden, finanzieren sich die Frauen
ihre "Selbständigkeit", leider mit minimalem Profit.
Bei der Befragung der zweiten Gruppe, einer Jugendgang, die Taxidienste auf mindestens 30 blitzblank gewienerten Mopeds anbieten (und sich auch zu einer Art Gewerkschaft zusammengeschlossen haben, genau wie die Marktfrauen), gehen mir die Fragen schon etwas leichter von der Hand. Wir hören, dass auch die "Taximopedfahrer" es nicht leicht haben, da die Mopeds nicht ihnen selbst, sondern irgendwelchen undefinierten Finanziers gehören, die lieber im Hintergrund agieren. An diese müssen sie eine Tagesmiete abdrücken, hinzu kommen Wartungs- und Benzinkosten. Den Rest des Tages versuchen sie dann krampfhaft, diese Kosten durch die Einkünfte ihrer Fahrdienste auszugleichen. Ich frage mich, ob die Nachfrage die Anzahl der Mopeds (es sollen insgesamt über 400 sein!) rechtfertigt. Einige der Taxfahrer bekennen sich zu ihren Zeiten als Söldner oder Rebellen während des Krieges.
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Zwischenstopp auf dem Weg nach Makeni
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Ganz normaler Transport...
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Ankunft in Makeni!
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Das Stadttor. Oder vielleicht sollte es mal eine
Brücke werden?
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Da! Das beste Hotel am Platz!
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Das Badezimmer im besten Hotel am Platz
(Klodeckel? Komm, den brauch' doch eh keiner...)
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Ausblick aus dem Hotelzimmer auf den Sportplatz
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Moschee in Makeni. Wie auch in Freetown leben hier
Moslems und Christen problemlos nebeneinander, zumindest in Freetown überwiegt
die Anzahl der Moslems leicht, morgens wird man vom Muezzin geweckt.
Straße in Makeni.
Dat gibbet donnich! Fichtenmoped?? Hier, in
Afrika? Leck mich inne Täsch! Schön alle Werbungen immer handgemalt!

Markfrauen...

...und Mopedtaxis.
Eine kleine, stolze afrikanische Dame.
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Abendlicher Rückblick der Eindrücke mit Fatmata,
Abass, Osman und Gibril, und Fanta und Wasser.
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Wieder zurück nach Freetown!
Bananenkauf auf der Rückreise nach Freetown