BESUCH IN MAGBITHGNOI UND BOMBALI BANA VILLAGE (24. März 2005)
Von Makeni aus besuchten wir zwei Dörfer in der näheren Umgebung, Magbithgnoi und Bombali Bana Village. Grund dafür war, das Land besser kennen zu lernen und sich vor allem ein Bild von den Menschen und deren Leben außerhalb der Großstädte machen zu können; für VSO darüber hinaus eine Möglichkeit, die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung zu identifizieren.
Es erwarten uns zwei ziemlich unterschiedliche
Bilder.
Im ersten Dorf , Magbithgnoi, vom Stamm der Temne, fühlen wir uns auf Anhieb
wohl, die Menschen sind sehr freundlich und teilen uns ihre Sorgen und
Hoffnungen mit. Wir freuen uns, als wir eine rappelvolle Schule vorfinden, die
sogar mehr Mädchen als Jungen besuchen. Die gleichberechtigte Erziehung und
Ausbildung von Mädchen ist in Sierra Leone alles andere als alltäglich und wird
vor allem von den Entwicklungshelfern massiv proklamiert. Leider gibt es für die
ganze Schule nur einen Lehrer, und der arbeitet freiwillig.
Auf dem Weg zum Fluss, in dem Wäsche gewaschen, sich gebadet und auch gefischt
(und womöglich auch noch der Müll und anderer Unrat entsorgt) wird, wird mir vor
Hitze fast übel. Als wir am Fluss ankommen, merkt Theresa an, dass es doch
vielleicht flussaufwärts auch schon mehrere Dörfer gebe, und vielleicht ja
flussabwärts wieder welche. Wenn denn da alle drin badeten, ihre Wäsche wüschen
und dann noch den Fisch äßen... Das Trinkwasser nehmen sie auch aus dem Fluss,
da sich an den Brunnen im Dorf keiner mehr herantraut, seitdem er im Krieg durch
die Rebellen "verseucht" wurde. Ich drehe mich wieder um und gehe zum Dorf
zurück.
Alles in allem haben wir das Gefühl, dass sich die Dorfbewohner über unser
Kommen gefreut haben und sich in einem besonders guten Bild zeigen möchten,
indem sie ihre Eigeninitiative bekunden. Aussicht auf konkrete Hilfe können wir
leider nicht bieten, doch Theresa sagt, dass sie ihre Ideen und Eindrücke mit
nach Freetown nehmen wolle und ihren Einfluss in der Entwicklungshilfeszene dort
nutzen werde.
Im zweiten Dorf, Bombali Bana Village, deren Bewohner vom Stamm der Limba sind,
werden wir von einer laut Musik machenden, tanzenden und singenden Gruppe in
Empfang genommen, die sich wie Gaukler unserer annehmen und mit uns einige Meter
Grimassen schneidend mitziehen. Die Musikanten tragen fast ausschließlich
abscheuliche Lumpen, und wir können uns dem Eindruck nicht verwehren, dass sie
sich aus Absicht in einem noch verwahrlosteren Bild präsentieren als es sich
aufgrund der um die verfallenden Hütten herumliegenden Plastiktüten und
Batterien und des muffelnden Geruchs nicht ohnehin schon böte.
Die Stammesälteren führt auf einem Rundgang, freundlich
werden die Schule, die Gewinnung von Palmöl und die Schmiede präsentiert. Als
ich frage, ob sie sich denn ernähren könnten und zufrieden sind, zögert mein
Ansprechpartner und sagt dann, mit Maschinen würde natürlich alles viel besser
gehen, dann könnte man viel schneller und mehr ernten und die Produkte
verkaufen. Ich sage ihm, dass ich keine Maschinen habe.
Der hiesige Dorfbrunnen wurde übrigens von einer Entwicklungshilfeorganisation
gebaut. Er kann aber nicht benutzt werden, da er zur Regenzeit errichtet
wurde und in der halbjährigen Trockenzeit der Wasserstand zu niedrig ist.
In der Abschlussrede appelliert Jan an die Eigeninitiative der Bewohner.
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Auf dem Hinweg nach Magbithgnoi: "Klar hält das, jetz' gib schon Gas!!
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Der Häuptling von Magbithgnoi.
Wir werden gebeten, uns hinzusetzen. Rechts sitzt
- auf dem größten Stuhl - der Häuptling, links wir als Gäste und uns schräg
gegenüber eine ausgewählte "Delegation" der Dorfältesten.
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Eines der stattlicheren Häuser.
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Auf dem Weg zum Fluss
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Die mühsame Herstellung des Palmöls (eines der
Hauptnahrungsmittel in Sierra Leone)...
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...und der Rohstoff dafür (hier die schon von der Schale befreiten Kerne).
Übrigens ist der Stock am linken Bildrand nach einer Art Kult oder Aberglauben
aufgestellt worden. Demnach stellt dieser einen stilisierten Baum dar, der die
Götter für das Ernten der Früchte entschädigt, außerdem schützt er gleichzeitig
vor Dieben und wilden Tieren.
andere Dorfbewohner, die zur Plage geworden sind
und die Ernte vermiesen (aber irre bunt sind!).
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Alle Schulkinder werden zu unserer Verabschiedung
zusammengerufen und müssen sich dem Alter nach aufreihen.
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Zum Abschied werden wir zu einem feudalen Essen
eingeladen. Es gibt Reis mit scharfer Palmöl-Sauce und Fischen aus dem Dorfbach.
Hoffentlich machen das unsere Mägen mit! Wir Europäer bekommen sogar besteck,
unser Begleiter und Übersetzer Budu vom Ministerium für Jugend und Sport aus
Makeni, isst traditionell mit der Hand.
Theresa scheint es ja jedenfalls doll zu schmecken!!
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Nachdenkliche Miene am Ende unseres Besuchs.
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Beim Betreten des zweiten Dorfs (nach etwa
einstündiger Fahrt) fallen uns die riesigen Bäume auf.
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Unter dem Baum im Hintergrund wurden wohl schon
vor Urzeiten Versammlungen gehalten und Urteile gesprochen.
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Dies ist eigentlich die Brücke, die das das Dorf
mit anderen, entfernter liegenden, verbindet, momentan ohne Funktion. "Wir
fangen mit der Reparatur an, wenn die Regenzeit beginnt, vorher brauchen wir die
Brücke nicht, da der Wasserstand jetzt zur Trockenzeit ganz niedrig ist und man
problemlos hindurchgehen kann." Jan kann sich eine Anmerkung nicht verkneifen:
"Moment mal, Ihr fangt mit der Reparatur erst an, wenn die Regenzeit schon im
vollen Gange ist? Sowas dauert doch und muss geplant werden, in wenigen Wochen
fängt es hier an zu regnen, da müsste man doch schon jetzt...?!" - Irgendwie
wird Jan aber von der Gegenseite nicht verstanden.
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Die Dorfschmiede, hier sind nur Männer zugelassen!
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Zum Abschied werden alle Bewohner nochmals in das
Versammlungshaus gebeten, Jan und ich dürfen die Schlussworte sprechen (nicht
allerdings, ohne die zweite Portion Reis an diesem Tage zu essen, die wir kaum
noch herunterbekommen, da wir vom ersten Dorf noch völlig satt sind, außerdem
herrschen ca. 40 Grad im Schatten). Dafür dürfen wir noch den gärigen Palmwein
probieren.